Stundenlöhne Handwerk 2026: Was verdienen Elektriker, Maurer und Maler?

Der Schweizer Arbeitsmarkt im Handwerk ist im Jahr 2026 von einer enormen Dynamik geprägt. Fachkräfte sind rar, die Auftragsbücher der Betriebe sind voll, und Grossprojekte rund um die Energiewende und die Verdichtung des Wohnraums halten die Branche auf Trab. Während die meisten festangestellten Handwerker in einem festen Monatslohnverhältnis stehen, gewinnt der Stundenlohn zunehmend an Bedeutung. Sei es durch flexible Teilzeitmodelle, den boomenden Sektor der Temporärarbeit oder bei der Kalkulation für Selbstständige: Zu wissen, was eine Arbeitsstunde exakt wert ist, bildet die Grundlage für jede finanzielle Planung.

Doch ein Stundenlohn in der Schweiz ist nicht einfach nur eine nackte Zahl. Wer die Gesamtarbeitsverträge (GAV) nicht genau kennt, verschenkt bares Geld. Wir vergleichen die aktuellen Ansätze für drei der wichtigsten Gewerke und zeigen auf, wie sich Ihr Lohn auf dem Papier zusammensetzt.

Die Lohn-Illusion: Grundlohn vs. effektiver Stundenlohn

Der häufigste Fehler bei der Beurteilung von Stundenlöhnen ist die Verwechslung von Grundstundenlohn und dem effektiv ausbezahlten Stundenlohn. Wenn Sie im Stundenlohn angestellt sind, haben Sie denselben gesetzlichen Anspruch auf Ferien, Feiertage und den 13. Monatslohn wie ein festangestellter Mitarbeiter im Monatslohn. Da Sie aber nicht pauschal bezahlt werden, müssen diese Ansprüche direkt auf jede einzelne gearbeitete Stunde aufgeschlagen werden.

Dieser Mechanismus ist gesetzlich und durch die Gesamtarbeitsverträge streng geregelt. Zum reinen Grundstundenlohn addieren sich in der Regel 10,64 % für Ferien (bei fünf Wochen Ferienanspruch), oft rund 3,2 % für gesetzliche Feiertage und zwingend 8,33 % für den 13. Monatslohn. Aus einem Basislohn von beispielsweise 35 Franken werden so auf der Lohnabrechnung schnell über 42 Franken brutto. Diesen massiven Unterschied müssen Sie bei Gehaltsverhandlungen oder beim Vergleich von Jobangeboten stets im Hinterkopf behalten.

Der grosse Vergleich 2026: Wer verdient was?

Die aktuellen Zahlen für das Jahr 2026 zeigen ein klares Bild für ausgelernte Fachkräfte mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) und einigen Jahren Berufserfahrung. Die genannten Werte basieren auf den jeweiligen Branchen-GAVs und aktuellen Marktbeobachtungen, wobei regionale Unterschiede (etwa zwischen Zürich und dem Tessin) zu leichten Abweichungen führen können.

Bei den Elektroinstallateuren EFZ liegt der geschätzte Grundstundenlohn aktuell zwischen CHF 33.50 und CHF 37.50. Rechnet man die branchenüblichen Zuschläge von rund 22,17 % für Ferien, Feiertage und den zwingenden 13. Monatslohn hinzu, ergibt sich auf der Lohnabrechnung ein effektiver Brutto-Stundenlohn von CHF 40.90 bis CHF 45.80.

Die Maurer EFZ bewegen sich traditionell auf einem noch etwas höheren Niveau, was die enorme körperliche Belastung und die Witterungsbedingungen widerspiegelt. Ihr Grundstundenlohn startet bei etwa CHF 35.00 und reicht bis CHF 39.00. Inklusive der 22,17 % Zuschläge kommen sie somit auf einen effektiven Brutto-Stundenlohn zwischen CHF 42.70 und CHF 47.60.

Bei den Malern EFZ fällt die Vergütung im Ausbaugewerbe etwas tiefer aus. Der Grundstundenlohn bewegt sich hier meist zwischen CHF 30.50 und CHF 34.50. Unter Berücksichtigung der identischen Zuschläge von ca. 22,17 % resultiert daraus ein effektiver Brutto-Stundenlohn von CHF 37.20 bis CHF 42.10.

Die Gewerke im Detail betrachtet

Die Elektriker profitieren 2026 massiv vom Megatrend der Elektrifizierung. Die Installation von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur für E-Autos erfordert hochspezialisiertes Fachwissen. Während der Grundlohn solide ist, können Fachkräfte mit spezifischen Weiterbildungen (etwa im Bereich Gebäudeautomation oder Solartechnik) deutlich höhere Stundenlöhne aushandeln. Der Markt ist hier extrem arbeitnehmerfreundlich, und viele Betriebe zahlen freiwillig über den GAV-Mindestlöhnen, um Abwerbungen zu verhindern.

Die Maurer bilden das Rückgrat des Bauhauptgewerbes. Die Arbeit ist körperlich extrem fordernd und stark witterungsabhängig, was sich in einem traditionell starken Landesmantelvertrag (LMV) und entsprechend hohen Löhnen niederschlägt. Der Stundenlohn eines erfahrenen Maurers gehört zu den höchsten im klassischen Handwerk. Zudem sind im Bauhauptgewerbe Spesenregelungen – etwa die Vergütung für das auswärtige Mittagessen – oft grosszügiger geregelt als im Ausbaugewerbe, was das Nettoeinkommen am Ende des Monats zusätzlich spürbar anhebt.

Die Maler bewegen sich im Ausbaugewerbe traditionell an einem etwas tieferen Lohnband. Der Konkurrenzdruck in dieser Branche ist hoch, was die Margen der Betriebe und damit den Spielraum für Lohnerhöhungen dämpft. Dennoch sind Fachkräfte mit EFZ gefragt. Wer seinen Stundenlohn hier signifikant steigern möchte, muss sich spezialisieren. Gefragt sind Experten für historische Restaurationen, komplexe dekorative Techniken oder Fachleute für industrielle Beschichtungen. Wer zudem Verantwortung als Vorarbeiter auf der Baustelle übernimmt, verlässt das Basis-Lohnband schnell nach oben.

Ein starkes Fundament für die Zukunft

Ein Blick auf die Stundenlöhne 2026 zeigt klar: Handwerkliche Exzellenz wird in der Schweiz hervorragend entlohnt. Der Stundenlohn bietet dabei maximale Transparenz über den Wert der eigenen Arbeit. Wichtig ist jedoch, dass Sie bei Temporäreinsätzen oder flexiblen Arbeitsmodellen immer prüfen, ob die gesetzlichen Zuschläge korrekt ausgewiesen und ausbezahlt werden. Wer zudem bereit ist, in Weiterbildungen zu investieren und Spezialwissen aufzubauen, für den sind die hier genannten Stundenlöhne erst der Anfang einer lukrativen Laufbahn.